Presse - Mystik in der Vollmondnacht - Engel(s)gleich auf Burg Leuchtenberg

Daniel Grünauer

Datum:

02.07.2010


Medium:

www.dieoberpfalz.de


LEUCHTENBERG. Orangefarben, wie eine große Apfelsine, hing der Vollmond über der Burg Leuchtenberg. So als würde er zur Inszenierung, zum Bühnenbild gehören. Ein guter Einstieg für eine außergewöhnliche Aufführung. Auch der Zeitpunkt war außergewöhnlich.

Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Glaubitz

23 Uhr nachts, die Vorstellung 'Charleys Tante' ist längst beendet. Fast alles ist still und dunkel, bis auf ein paar Lichter und den Vollmond. Doch es wandern Menschen zur Burg, gespannt auf eine ungewöhnliche Premiere, die literarische Performance 'Engel(s)gleich'. Intendant Matthias Winter stimmt die Menschen im Dunklen ein auf ein mystisches Ereignis. Und warnt vor der 'weißen Frau' beim kalten Baum. Wenn sie winkt, solle beim Heimfahren keiner in ihre Richtung blicken.

Ein Engel erscheint auf dem Dach der Abendkasse, dann noch einer und noch einer. Perfekt der Auftritt, mit unbeweglichen Gesichtern und ruhigen Stimmen zitieren sie Lyrisches. Von Rainer Maria Rilke, Bert Brecht, Elke Lasker-Schüler, Gottfried Benn, Heinrich Heine. Gedichte über Engel. An drei weiteren Spielorten, jeder skurril und fantasievoll dekoriert, rezitieren sie über Engel der Verzweiflung, glücklose Engel, Schutzengel, dumme Engel, Engel ohne Flügel.

Bei der Musik von Thomas Patterer erlebt das Publikum stehend, von einem der Engel durch die Burgruine geführt, nachdenkliches, traurig und fröhlich stimmendes, mystisches. Daniel Grünauer, Sofia Mindel und Johannes Aichinger geben den Engelfiguren etwas Abstraktes, manchmal Unheimliches. Lisa Scheck spielt den Schutzengel in weißem Gewand, die tote Mutter, die ihr Kind beschützt.

Engel faszinieren Menschen schon immer, und jeder stellt sie sich ähnlich, und doch völlig anders vor. Regisseur und Schauspieler Daniel Grünauer hat diesen Luftwesen bei den Burgfestspielen Leuchtenberg einen eigenen Platz eingeräumt. Still und berührt verließ das Publikum nach der Vorstellung den Burghof.

Für die Vorstellung am Samstag, 10. Juli (23 Uhr) gibt es noch Karten, Telefon 09659/ 93100, eine Zusatzvorstellung (Samstag, 31. Juli, 23 Uhr) ist angekündigt.