Presse - Happy Broadwayfeeling in der Oberpfalz

Daniel Grünauer

Datum:

15.09.2010


Medium:

www.kulturfreak.de


Schon 1980 erschien der Kinofilm „Xanadu“ mit Olivia Newton-John in der Hauptrolle. Zwar war der Film kein großer Kassenerfolg. Sein Titelsong jedoch war ein Welterfolg. Wenn heute Leute auf „Xanadu“ angesprochen werden, können sie gleich die Melodie singen. So wundert es nicht, dass es von dem Film auch eine Bühnenadaption gibt. Das Musical „Xanadu“ lief 2007/2008 für über 500 respektable Vorstellungen am Broadway. Schon der Film basiert auf einer verrückten Geschichte. Für das Musical wurde zugunsten seichten Entertainments dieser Bogen noch weiter gespannt. Zusammen mit der Musik des Electric Light Orchestra und ein paar neuer Songs, entstand so ein Musical, dass mit viel Herz, Elan und Witz die 80er Jahre aufleben läßt, ohne das Format eines Juke-Box Musicals zu haben.
Jetzt hat es endlich seinen Sprung über den Atlantik geschafft. Doch statt im Londoner Westend, in Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart oder München, fand die europäische Erstaufführung auf Deutschlands jüngster Landesbühne statt, beim Landestheater Oberpfalz. Da das Theater noch keinen eigenen Bau hat, fand die Premiere in der Spielstätte Stadthalle Vohenstrauss statt. Die 7.659 Einwohner zählende Stadt (per 31. Dezember 2009) gehört zum Landkreis Neustadt an der Waldnaab und liegt nah der Tschechischen Grenze, nächste bekannte größere Stadt ist das 85km entfernte Regensburg.

Ein kleines Haus für ein großes Stück, das hiermit Musicalgeschichte geschrieben hat. Denn „Xanadu“ eignet sich hervorragend für Stadttheater- und Freilichtfestspielproduktionen. Mit Songs wie “I'm Alive”, “Magic” und “All Over The World”, die, wenn nicht ohnehin bekannt, sofort ins Ohr gehen, mit Musik, die so elektrisiert, dass Arme und Beine nur schwer unter Kontrolle gehalten werden können und einer so überzogenen schrägen Geschichte, dass es schon wieder gut ist. Hier wird Discofeierlaune geboten.
Für die Umsetzung des Landestheater Oberpfalz zeichnet dessen Intendant Matthias Winter hauptverantwortlich, inszeniert wurde es vom 1982 geborenen Regisseur Daniel Grünauer. Gesungen wird in Englisch, gesprochen auf Deutsch (Deutsche Dialogfassung: Daniel Call).
Manch Parallele zur Broadwayinszenierung ist zu erkennen, doch ist die Inszenierung etwas ganz eigenes. Das Bühnenbild von Hildegard Schmucker ist einfacher gehalten, es zeigt einen großen weißen Raum, der lediglich von Säulen eingesäumt ist (mit ein wenig Ausstattung, wie einer Telefonzelle und einem Schreibtisch). Viel Aufwand wurde für die Kostüme (Eva Schwab) betrieben, seien es an die Antike anmutende Kleider und Roben oder Disco- und Rock’n’Roll Outfits aus den 80ern. Neben einem großen Ensemble wartet das Theater dazu mit einer Tanzcompany (Choreographie: Kathrin Ströhl, Carmen Puhane, Alessandra Tambe), Chor (Leitung: Markus Engelstädter) und Band (Musikalische Leitung: Thomas Wildenauer) auf.
Im Mittelpunkt steht die Muse Clio, die sich für den strauchelnden Künstler Sonny auf Erden begibt. Susanne Stangl überzeugt dabei schauspielerisch und sängerisch, obwohl sie bei ihrem 80er Erdenbesuch in Zwickau gelandet ist und infolgedessen ordentlich durch das Stück sächselt. Das sorgt natürlich immer wieder für Zusatzlacher. Als schlaksiger Sonny überrascht Markus Engelstädter mit seiner kraftvollen, rockigen Stimme. Bravo! Mächtig ins Zeug legt sich auch Silke Husslik (Melpomene), die „Evil Woman“ (den zweiten Hit des Stücks) mit souliger Stimme singt (unterstützt von der, ob ihrer Grimassen umwerfenden, Calliope der Doris Hoffmann). Das hervorragende sängerische Niveau wird auch von Ruppert Grünbauer getragen, der mit seinem schönen Bariton als Immobilienhai Danny und als Zeus gefällt. Lokalfavoriten sind Johannes Aichinger und Benjamin Oeser, die mit viel „schwesterlicher“ Attitüde die Musen Urania und Thalia geben.
Aller Aufwand hat sich gelohnt. Bei der großartigen Finalszene hält es keinen Zuschauer mehr auf seinem Sitz und zwei Zugaben „müssen“ gegeben werden.