Presse - Verdienter Applaus für einen Regen aus Pepp und Esprit

Daniel Grünauer

Datum:

07.03.2011


Medium:

Mittelbayerische Zeitung


Kultur (oan). Was braucht die Oberpfalz den Broadway, wenn es das Landestheater hat. Das Musical "Xanadu" erntete am Freitag "Standing Ovations".

Amberg. Auch wenn die Musik vom Electric Light Orchestra einst für Furore sorgte, der amerikanische Musical-Film "Xanadu" mit Olivia Newton als Kira und John Michael Beck als Sonny Malone brachte keinen so großen Ruhm ein. Anders bei dem gleichnamigen Musical, das die Schauspieler, Tänzerinnen, der Chor und die Musiker vom Leuchtenberger Landestheater Oberpfalz am Freitag im Amberger Stadttheater zeigten. Das Amberger Publikum jedenfalls feierte zum Schluss die Aufführung stehend mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen. Mit Recht. "Xanadu" mit dem Landestheater war ein funkelnder und bunter Regen aus Anmut, Pepp und Esprit, der sich steigerte zu einem musikalischen und darstellerischen Gewitter. Es war prickelnd, köstlich und unterhaltsam.
Nun zum Inhalt. Künstler Sonny (Markus Engelstädter) befindet sich auf der Schattenseite des Lebens, denkt gar darüber nach, diesem ein Ende zu setzten. Kira (Susanne Stangl), eine der neun griechischen Musen und damit eine der Töchter von Zeus (Ruppert Grünbauer), steigt herab zu dem Sterblichen. Als Clio aus Zwickau hilft sie ihm, Kontakt aufzunehmen zu Danny, einem Immobilienhai mit einstiger künstlerischer Ader. Der Traum vom Künstlerhaus "Xanadu" ist geboren. Doch dann kommt die Liebe in die Quere. Als unsterbliche Muse darf sich Kira nicht verlieben. Nach Trennung und Schmerz siegt schließlich doch die Liebe.
Regisseur Daniel Grünauer hatte alle Rollen mit hervorragenden Schauspielern und Sängern besetzt. Dennoch verdienten die Protagonisten, Stangl und Engelstädter besonderes Lob. Die für die Kostüme verantwortliche Eva Schwab und die Maskenbildnerinnen hatten Stangl in ein engelsgleiches, zartes Wesen verwandelt. Tat sie den Mund auf und es sprudelten sächsische Wörter daraus hervor, war das für das Publikum immer wie ein Sprung ins kalte Wasser: Zunächst Schock, dann helle Freude. Engelstädter brachte Blitz und Donner in das Musical. Poppig und fetzig, sodass es zum modernes Musikstück avancierte. Exzellent gespielt waren die Rollen der Musen Melpomene (Silke Husslik) und Calliope (Doris Hofmann). Intrigantinnen zwar, aber mit großem Witz. Tolle Gesichtsmimik bei Husslik, liebenswürdige Ausstrahlung von Hofmann. In Lack und Leder sexy, als Zeus-Töchter und Musen Urania und Thalia einfach köstlich, sahnten Johannes Aichinger und Benjamin Oeser die Lacher ab.