Presse - Xanadu ist gelandet

Daniel Grünauer

Datum:

07.03.2011


Medium:

Amberger Zeitung


Landestheater Oberpfalz begeistert im Stadttheater

Von Marielouise Scharf

Amberg. Da sind sie also, die "antiken Griechenzicken"! Dekorativ aufgestellt im Musentempel, als Kreidebild, aber doch sehr lebendig. Kurzum, das Landestheater Oberpfalz brachte am Faschingswochenende den Ambergern gleich bei zwei Aufführungen den Himmel auf Erden, oder genauer gesagt, das Musical "Xanadu" auf die Bühne ins Stadttheater.

Musenmond trifft auf Liebesstern, baufälliges Theater wird zur Rollerdisco, Götterkind verliebt sich in Menschenmann. Die Sternenkonstellation stimmt und das Regiekonzept von Daniel Grünauer ebenfalls. Der nämlich greift in seiner Fassung des Musicals von Jeff Lynne und John Farrar richtig tief in die Komödienkiste. Dem ist nichts zu albern und absurd, kein Gag zu grell, kein Auftritt zu schräg. Seine durchtrainierte Musical-Crew schickt er in Lichtgeschwindigkeit durch die glitzernden Galaxien zwischen Götterhimmel und Erdental.
Scheinbar schwerelos meistert sie waghalsige Rollerkunststücke und mehrstimmige Chorgesänge. Ihre außerirdisch schönen Bühnenanzüge, die fantasievollen Lichtkonstellationen, die fantastischen Choreographien sorgen für Aufsehen. Die Raketenaufschläge im Olymp sind gigantisch komisch und genial kitschig. Auch die irdischen Einschläge erzeugen größte Lachsalven im Publikum, auch wenn der Text nicht immer zu verstehen ist.
Im Hier und Heute wollen sie ihr Bestes geben, säuseln die Musenschwestern und verdrehen mit ihrem Augenaufschlag jedem im Publikum den Kopf. Herrlich schräge Bilder bauen sie auf der Showtreppe, die das Oben mit dem Unten verbindet. Vor Orchestergraben, zwischen Licht, Nebel und Farbenspiel, mit Stepp- und Showtanz, in engem Tunten-Lackhöschen und mit schwarzen Reiherfedern dekoriert, posieren Urania (Johannes Aichinger) und Thalia (Benjamin Oeser) vor Göttervater und Großimmobilienhai.
Und dann schwebt sie auf rosafarbenen Rollen herein, die wundervolle Kira (Susanne Stangl)! Eigentlich ist sie die Muse Clio, aber für "Xanadu" verwandelt sie sich eben in ein zauberhaftes Mädchen mit Ossi-Dialekt. Irgendwann merkt selbst der etwas naive Sonny (Markus Engelstädter), dass seine Angebetete weder "Kommunistin, noch Katholikin oder gar Sächsin" ist. Irgendwann folgt er ihr sogar bis vor den Göttervater Zeus (Ruppert Grünbauer), um sie endgültig für sich zu gewinnen.
Vor dem glücklichen Ausgang der, zugegeben, etwas dürftigen Geschichte, stehen aber diverse Verwicklungen, die vor allem Kiras neidischen Schwestern Melpomene (Silke Husslik) und Calliope (Doris Hofmann) zuzuschreiben sind. Diese sprechen einen Liebesfluch aus, aber schon so urkomisch, dass man den beiden nicht böse sein kann. Stimmgewaltig die eine, spitzbübisch-komödiantisch die andere. Überhaupt sind alle (Doppel-)Rollen optisch, schauspielerisch und stimmlich ideal besetzt. Popballaden und Discokracher tönen perfekt aus der Versenkung. Hier dürfen fünf ausgezeichnete Musiker zeigen, was sie drauf haben. Nicht nur die wichtige Untermalung für den Gesang bringen sie sehr einfühlsam. Auch passende Stimmungsbilder und provozierende Klangaccessoires erzeugen sie mittels Keyboard, Gitarre, Drums, etc.
Der Höhenflug der Xanadu-Musical-Besatzung mit waghalsigen Lach-Loopings und schrillen Showeffekten endet punktgenau im legendären Titelsong. Eine rundum gelungene Mission, die das Landestheater Oberpfalz ablieferte. Die Beobachter in der Bodenstation hält es nicht mehr auf den Theatersitzen. Explosionsartiger Beifall schlägt dem energiegeladenen Ensemble entgegen.