Presse - Verbotene Liebe zwischen Aerobic-Stulpen und faulem Zauber

Daniel Grünauer

Datum:

12.09.2011


Medium:

Der neue Tag


Vohenstrauß. Großer Beifall für überarbeitete Wiederaufnahme des Musicals „Xanadu“ durch das Landestheater – Aufwendige Inszenierung in Vohenstrauß

Von Tobias Schwarzmeier

Vohenstrauß. Hätte Achilles vor Troja zu Schwert und Schild auch noch wollene Wadenwärmer angelegt, wäre alles anders gekommen. Klar, seine Krieger hätten ihn ausgelacht, aber er wäre nicht getötet worden. Denn Stulpen können Leben retten. Aber dies ist nur eine der skurrilen Botschaften, die die Musicalkomödie „Xanadu“ in einer stimmigen und schwungvollen Inszenierung des Landestheaters Oberpfalz vermittelt.
Aber der Reihe nach: Sonny (Markus Engelstädter mit einer bestechenden Darstellung) fristet als glückloser Künstler in Venice Beach sein Dasein. Alles ändert sich, als er Kira (umwerfend: Susanne Stangl) trifft. Trotz göttlichen Verbots – die schauderhaft-köstlich sächselnde Lichtgestalt auf Rollschuhen ist keine andere als die Muse Clio – verlieben sie sich. Kira inspiriert Sonny, „Xanadu“ zu erschaffen, den künstlerischen Inbegriff des Großartigen.
Warum der in einer Rollerdisco erfüllt sein soll, erscheint dem begeisterten Publikum in der ausverkauften Stadthalle völlig logisch. Denn die Zuschauer werden in eine pastellfarbene, glitzernde, in Synthesizerklänge gehüllte, 80er-Jahre-Traumwelt hineingezogen. Eingebettet im eingängigen Soundtrack der Symphonic-Rocker „ELO“ mit Krachern wie „Evil Woman“ (genial: Silke Husslik und Doris Hofmann) und Pop-, Swing- und Gospelanleihen verliert der Rosamunde-Pilcher-dünne Plot der kitschigen Vorlage an Bedeutung.

Entschlackt und entschleunigt

Nach dem weit beachteten Erfolg der Deutschlandpremiere im Vorjahr geht Regisseur Daniel Grünauer in der Wiederaufnahme des Broadway-Hits über eine reine Reproduktion hinaus. Aufbauend auf den vorhandenen Automatismen der identischen, spielfreudigen Besetzung, erlaubt die Überarbeitung einen frischen, geschärfteren Blick auf die Charaktere. Zumal Grünauer mit verkleinertem Cast und reduzierten Showeinlagen hie und da das Tempo aus dem Plot nimmt, ohne an Schwung zu verlieren. Es entsteht Raum, die urkomischen Nebenrollen zu entwickeln. Doris Hofmann etwa verkörpert ihre Zweitrolle „Aphrodite“ in Anke-Engelke-Manier als dauerbetroffene Emanze, Johannes Aichinger darf den Witz seiner dubiosen Figuren wie den rauhbeinigen Zyklop mit Falsettstimme auf die Spitze treiben.
Einfallsreiche Choreographien und Bonmots zu Pop- und Theaterkultur runden das mitreißende Musical-Erlebnis ab, das in einem großen Finale sein Happy End findet. Als ein Liebeszauber Zeus auf den Plan ruft, droht dem Paar der Tod. Doch die lispelnde Göttin Thethis (eine Entdeckung: Katharina Stark) überzeugt Zeus mit jener Stulpentheorie („solange Kira sie trägt, ist sie gegen Zauber immun“) von der Aufrichtigkeit der Liebe und besänftigt ihn. Und wieder haben Stulpen Leben gerettet.