Presse - "Es gibt keine ehrlichere Stimme"

Daniel Grünauer

Datum:

26.03.2012


Medium:

Der Neue Tag


"Johnny Cash"-Premiere: sehenswerte Inszenierung des Modernen Theaters Tirschenreuth

Von Stefan Voit

Liebe, Glaube und Musik waren die tragenden Säulen im Leben von Johnny Cash. Mit dem Tod seiner Frau June im Mai 2003 blieben ihm nur noch Glaube und Musik. Doch die Liebe war zu stark und die Sehnsucht zu groß - im September desselben Jahres folgte John seiner geliebten June.
So endet auch die Inszenierung des Schauspiels "Johnny Cash", das am Freitag im Kettelerhaus in Tirschenreuth Premiere hatte: Cash, im Rollstuhl sitzend, ruft nach June, das Scheinwerferlicht zeigt nur noch die Silhouette eines Mannes, der sein Leben mit allen Höhen und Tiefen gelebt hat.

Kein leichtes Unterfangen

Das Moderne Theater Tirschenreuth beweist mit dieser Inszenierung unter der Regie von Daniel Grünauer - wieder einmal - Mut: Johnny Cash auf die Bühne zu bringen, ist kein leichtes Unterfangen, hat er doch nicht nur Musikgeschichte geschrieben, sondern auch ein dermaßen schillerndes Leben geführt, dass es kaum möglich ist, dieses in wenig mehr als zwei Stunden zu erzählen.
Und doch kann dies gelingen: Grünauer und sein hoch motiviertes Ensemble picken sich, wie Mosaiksteinchen, Szenen aus dem Leben des "Man in Black" heraus und setzen sie als Gesamtbild wieder zusammen. So entsteht ein ebenso beeindruckender wie bewegender Blick auf einen Künstler, der zwar immer wusste, was er wollte, sein Ziel aber nie auf dem geraden Weg erreichte.
Das Ende ist auch der Anfang des Stücks: Der todkranke Cash (beeindruckend: Florian Winklmüller) blickt, im Rollstuhl sitzend, auf sein Leben zurück. Wehmütig erinnert er sich, wie er als Pubertierender bereits den Liedern der "Carter-Family" gelauscht hat und ihm schon damals die Stimme von June aufgefallen ist.
Es folgen Lebensstationen wie seine Zeit bei der Armee in Landsberg, wo er erste Songs schrieb, seine Hochzeit mit seiner ersten Frau Vivian und seine erfolglosen Versuche als Vertreter für Elektrogeräte. Erst mit dem Vorspiel bei Sam Philips ("Sun Records") gelingt ihm mit der Band "Tennessee Two" der Durchbruch. Sein "Boom Chicka Boom"-Sound macht ihn weltberühmt.
Julian Mühlmeier spielt den jungen, wilden Cash derart überzeugend, dass es immer wieder Szenenapplaus gibt. In Mimik, Körperhaltung und Gesang schlüpft er in diese schwierige Rolle spielerisch hinein, und es bereitet ihm sichtlich Spaß, den großen Musiker darzustellen. Mit dem Erfolg kommen für Cash auch Probleme: Die endlosen Touren hält er nur mit Tabletten durch, er gerät immer tiefer in die Abhängigkeit, seine Ehe geht in die Brüche. Aber er erobert auch June (brav und energisch: Simone Zettl), die ihm beim Drogenentzug zur Seite steht.

Hervorragende Band

In dieser dramatischen Szene ist zum einzigen Mal die original Stimme von Jonny Cash mit "Hurt" zu hören. Ansonsten singen die Beteiligten selbst, bringen Klassiker wie "Cry Cry Cry", "Folsom Prison Blues", "Hey Porter" - unterstützt von einer hervorragenden Live-Band - zum Besten.
Mit dem Heiratsantrag an June auf offener Bühne im Jahr 1968 endet der "junge" Cash, und der "Senior" (Winklmüller) betritt die Bühne. Zusammen mit June (Sandra Zech mit toller Stimme) erlebt er nochmals Höhen und Tiefen, bis eines Tages der "Waldschrat" Rick Rubin (herrlich: Herbert Kreuzer) auftaucht und Cash mit seinen "American Recordings" ein weltweit gefeiertes Comeback beschert.
Das Ensemble des Modernen Theaters beweist mit seiner überzeugenden und geschlossenen Spielleistung, dass man auch in der Provinz anspruchsvolles Theater machen kann. Ein ausverkauftes Haus, ein begeistertes Publikum, Standing Ovations und mehrere Song-Zugaben waren der deutliche Beweis.