Presse - Feldarbeiter, GI und Country-Star

Daniel Grünauer

Datum:

25.03.2012


Medium:

Der Neue Tag


Modernes Theater Tirschenreuth glänzt im Kettelerhaus mit Lebensgeschichte von Johnny Cash

Tirschenreuth. (tr) Mit "Cash" ist dem Modernen Theater Tirschenreuth (MTT) ein großer Wurf gelungen. Nicht nur, dass es mit der Inszenierung unter der Regie von Daniel Grünauer vom Landestheater Oberpfalz einen weiteren gewaltigen Schritt in Richtung professionelles Theater gemacht hat. "Cash" spült auch mächtig Bares in die Theaterkasse.
Der Vorverkauf toppt alle bisherigen Eigenproduktionen. Zwei Drittel der Karten sind verkauft. Das Geld kann das MTT gut gebrauchen, denn der Traum vom eigenen Haus, das wegen verschärfter Brandschutzauflagen derzeit nicht bespielt werden darf, ist noch längst nicht ausgeträumt. Mit seiner achten Eigenproduktion seit 2002 ist das MTT erstmals nicht auf der eigenen kleinen Bühne im Luitpold-Theater sondern auf der großen im Kettelerhaus.

Bekannter Arbeitsplatz

Für die Protagonisten stellt das kein Problem da. Die meisten haben schon mehrmals bei den großen Stadtinszenierungen wie die "Tirschenreuther Passion" oder "Windsheims Tod" mitgewirkt. Sie kennen den neuen Arbeitsplatz also aus dem Effeff. Florian Winklmüller zum Beispiel, verkörperte mehrmals den Jesus in der Passion.
Im aktuellen Stück mimt er mit Bravour den "alten" Johnny Cash. Anders als gewohnt sind dabei Gesangseinlagen gefordert, deren Originale eine Legende abgeliefert hat. Neugierig fragen die Zuschauer: "Können die das denn?"
Um es gleich vorweg zunehmen: Sie können. Und wie. Grandios, wie Winklmüller als gealterter Johnny Cash lässig in schwarzer Lederjacke und schwarzen Jeans am Mikro steht und die Songs in den Saal schmettert als wäre das gar nichts. Als Schauspieler ist er in der Region ohnehin bekannt. Dass er das kann, muss er schon lange nicht mehr beweisen.

Starke Sandra Zech

Julian Mühlmeier, ebenfalls schon mehrere Jahre Mitglied im Stamm-Ensemble, hat schauspielerisch dazugelernt und überzeugt durchaus als "junger" Johnny Cash. Ob als Arbeiter auf dem Baumwollfeld, als GI in Landsberg am Lech, als umjubelter Star auf der Bühne oder als tablettensüchtiges Häufchen Elend.
Stets ist er glaubwürdig. Auch stimmlich ist er ein vortrefflicher Johnny Cash. Die MTT-Bühnen-Überraschung des Jahres ist zweifelsohne Sandra Zech. Als gereifte June Carter brilliert sie bei ihren musikalischen Einsätzen. Sie bewegt sich ganz nah am Original und gibt damit der Inszenierung zusätzlich Tiefe.
Das einzige, was sich bei den meisten Menschen mit zunehmendem Alter kaum verändert, ist die Stimme. Simone Zettl mimt die junge June Carter. Mit ihrer zarten Stimme schafft sie den Spagat zur monumentalen ihrer Partnerin nicht ganz. Dafür ist die junge June schauspielerisch brillant aufgestellt. Sicher meistert Zettl die vielen Dialoge und überzeugt mit Mimik und Gestik.
Die Nebenrollen sind mit Gabi Dittmann, Christian Seitz, Christl Gleißner, Charlie Jäger, Manfred Grüssner, Herbert Kreuzer, Elisabeth Toporkow und Rebecca Seitz gut besetzt. Mit einem minimalistischen Bühnenbau (ein Baugerüst) und wenigen Accessoires ist es Regisseur Daniel Grünauer gelungen, alle notwendigen Stationen gut in Szene zu setzen. Fehlerfrei verrichten die Musiker Marco Heinrich (Lead-Gitarre), Lennart Frank (Bass), Frederik Frank (Gitarre) und Andy Bauer (Schlagzeug) ihren Job. Musikalisch gesamtverantwortlich zeichnen Andy Bauer und Dr. Michael Rüth.

Fender versus Gibson

Schön die Szene, bei der Johnny Cash (Julian Mühlmeier) mit den "Tennesse Two" (Lennart und Frederik Frank), bei Sam Philips (Manfred Grüssner) von Sun Records vorspielt. Beim Gitarrensolo "bearbeitet" dabei Frederik Frank eine Gibson Les Paul. In Wirklichkeit spielt aber Marco Heinrich den Part auf einer Fender Stratocaster. Was würden dazu wohl Les Paul und Leo Fender sagen?