Presse - Johnny Cash erobert Herzen

Daniel Grünauer

Datum:

29.03.2012


Medium:

Rundschau Weiden


Modernes Theater Tirschenreuth landet mit „Cash“ einen Volltreffer.

Von Ulla Britta Baumer

Tirschenreuth. Das hat ihnen ganz Tirschenreuth nicht zugetraut! Die Hauptdarsteller des Stücks „Cash“ vom MTT unter Regie von Daniel Grünauer singen – und wie. Eine Liveband unter Leitung von Andreas Bauer und Michael Rüth ist zudem das I-Tüpfelchen dieser aufwändigen Inszenierung.

Das Ergebnis: Ein unterhaltsamer Theaterabend über das aufregende Leben von Johnny Cash. Als „Zeitraffer“ dienen Erzähler, darunter Johnny Cash senior (Florian Winklmüller) selbst. Gleich darauf geht das Licht an – und präsentiert einen atemberaubenden Johnny Cash junior. Julian Mühlmeier ist Cash pur. Der Abiturient am Stiftland-Gymnasium bewegt sich wie Cash, singt wie Cash und erobert als äußerst attraktiver Cash die Herzen der jungen Frauen im Publikum wie im Flug. Die Story: Niemand kann Johnny davon abbringen, Sänger zu werden. Auch nicht seine Frau Vivian (Elisabeth Toporkow). Bei Produzent Sam Philips (sehr authentisch: Manfred Grüssner) wird er erhört. Was folgt, ist ein wildes Leben. Cash verliebt sich in June Carter (Simone Zettl beweist als junge June ihr schauspielerisches Talent). Er wird berühmt – und drogenabhängig.

Die Musik dominiert: Die Zuschauer jubeln „Cash“ beim Singen zu, als sei das hier ein Konzert, nicht ein Theaterabend. Als Sandra Zech und Florian Winklmüller als June senior und Cash senior im letzten Drittel des Stücks ans Mikro treten, ist man nur noch am Staunen: Hier steht ein zweites Bühnen-Pärchen, das nahezu perfekt Johnny Cash und June Carter mimt. Schade, dass Sandra Zech nicht mehr Gesangsnummern hat. Ihre grandiose, starke Stimme hätte einen größeren Part verdient. Dabei sind es natürlich auch die Nebendarsteller, die dem Gesamtwerk die besondere Note geben. Herbert Kreuzer ist ein wunderbar-kautziger Rick Rubin, der Johnny mit den „American Recordings“ zum Comeback verhilft. Charlie Jäger mimt einen herrlich lebhaften Italiener. Später überzeugt Jäger als Nachrichtensprecher. Witzig kommt Christian Seitz als Schwuler rüber. Ein wenig zu schmalzig dann das Ende, wenn Cash der bereits verstorbenen June in den Tod folgt.

Den Zuschauern macht das nichts. Sie bejubeln den jungen und alten Cash gleichermaßen – Standing Ovations belohnen das gesamte Ensemble. Bei der Premierenfeier gehen die Meinungen darüber auseinander, welcher Bühnen-Cash der bessere war: Julian oder Florian? Eine Generationenfrage. Und genau das macht Theater aus: Kultur ist, was man dabei fühlt!! Weiter Aufführungen am 30. und 31. März sowie am 14. und 15. April, um 20 Uhr. Anmerkung der Redaktion: Unbedingt hingehen.