Presse - Als "Bauer sucht Frau" noch kein Thema war

Daniel Grünauer

Datum:

04.06.2012


Medium:

Der Neue Tag


Mit Hamiks "Der verkaufte Großvater" machen die Burgfestspiele Leuchtenberg ein Jubiläums-Geschenk

Von Rudolf Barrois

Gehört der Heiratshandel schon zum festen Handlungs-Repertoire in bayerischen Volksstücken, hat es Anton Hamik mit seinem Stück "Der verkaufte Großvater" auf die Spitze getrieben. Zum 30-jährigen Jubiläum bieten die Burgfestspiele Leuchtenberg den Zuschauern einen echten Klassiker aus der Welt des Komödienstadls. Das Stück hatte in den Jahren 1996 und 1997 in Leuchtenberg schon einmal durchschlagenden Erfolg. Am Freitagabend war nun abermals Premiere auf der Burg.

Inszeniert hat diesmal Jungregisseur Daniel Grünauer. Für ihn, dem die Burgfestspiele so manche schöne Regiearbeit verdankt, war es eine Premiere und zugleich ein Abschied. Der Dramaturg wechselt in das Dreispartentheater von Ulm, stellt sich neuen Herausforderungen. Eine solche war auch Hamiks Groteske von einem beinahe himmelschreienden Bauernhandel. Doch die Besetzung der Titelrolle mit Christian Höllerer erwies sich einmal mehr als Glücksfall. Denn der inzwischen in Ehren ergraute Schauspieler und Regisseur hatte 1996 den "Verkauften Großvater" zum ersten Mal auf der Burg inszeniert.

Nach altem Rezept

Menschenhandel hin oder her: Heutzutage wirkt der Versuch eines reichen Viehhändlers, auf krummem Wege sein Vermögen zu vermehren, eher harmlos, wenn man bedenkt, was es da inzwischen alles gibt. Doch der "G'wissenswurm" ist von Anfang an dabei, als der geldgierige Haslinger herausgebracht hat, dass der Kreithofer-Großvater angeblich zwei Häuser besitzt. Zunächst wird das althergebrachte Rezept versucht: Der Sohn des Kreithofer-Bauern soll Haslingers Ev heiraten. So wurde es ausgelost. Doch die beiden jungen Leute spielen nicht mit, denn sie kennen sich nicht.

Da verfällt der Haslinger auf die Idee, dem Kreithofer seinen Großvater abzukaufen. Der Alte, in seiner Familie wegen seiner Spaßetteln gefürchtet, ist sofort einverstanden, denn er hat das miese Spiel durchschaut. In seiner neuen Familie lässt es sich der Alte gut gehen, scheucht den Bauern und die Bäuerin herum. Kompliziert wird es, als Kreithofers Lois sich das Mädchen anschauen will, das er heiraten soll, und im Austausch für ein paar Tage als Knecht beim Haslinger einsteht. Die jungen Leute verlieben sich sofort und werden vom Großvater kräftig unterstützt. Gerade jetzt erfährt der Haslinger, dass der alte Mann gar kein Geld hat. Doch da haben der Großvater und der Viehhändler immer noch ein paar Asse im Ärmel.

Daniel Grünauer inszeniert die Geschichte sauber und ohne Schnörkel, führt das Ensemble zu einer homogenen humorvollen Darstellung zusammen, die ohne Übertreibungen auskommt. Denn die Charaktere sprechen für sich, treiben die Geschichte zum Höhepunkt. Höllerer erweist sich auch diesmal als Charakterdarsteller ersten Ranges - nach sechs Jahren Abwesenheit eine glänzenden Rückkehr auf die Burg. Peter Hösl, der 1996 den Großvater spielte, geht nunmehr in der Rolle des hypothekengeplagten Kreithofer ganz auf. Er wirkt erstaunlich ruhig und gelassen bei all dem Treiben, das sich rund um ihn entfesselt.

Für Gerhard Wölfel ist der Part des Haslinger eine Paraderolle. Den jähzornigen Viehhändler kann er als potenter Gegenspieler der drei Kreithofer überzeugend vermitteln. Haare auf den Zähnen hat Andrea Kleber als Haslingers "Hauskreuz" Nanni. Sie beherrscht das falsche Lächeln und knallhartes niederbayerisches Matriarchat gleichermaßen perfekt. Nicht leicht hat es die Magd Zenz, perfekt gespielt von Martina Striegel, der diese Rolle auf die Leib geschrieben scheint. In ihrem hilflosen Zorn über die merkwürdigen Streiche des Großvaters gerät sie vom Regen in die Traufe, als sie vom Kreithofer zum Haslinger wechselt. Jakob Bodensteiner hat als Lois genau das richtige Gespür für die Rolle des jungen Bauernsohns, für den Gehorsam und Unterordnung dort endet, wo es um sein persönliches Glück geht. Das gilt auch für Ramona Zimmermann, die im Part der hübschen Ev ihren ganzen Charme ausspielt.

Alles stimmig

Für die passende musikalische Einführung zwischen den Szenen, getextet von Regieassistentin Jutta Bollwein nach dem Muster des Komödienstadl's, sorgen "Fünf Kraut". Maske und Kostüm (Stefanie Gallitzendörfer und Eva Schwab) sind perfekt, die Bühne ist schlicht, dem Handlungsrahmen angepasst. Dass der Großvater in jeder Aufführung eine Scheibe zerschlagen darf, ist der Glashütte Lamberts aus Waldsassen zu verdanken, die den Scherbenhaufen zurücknimmt und zu mundgeblasener Glaskunst neu verarbeitet. Die Zuschauer hatten einmal mehr ihren Spaß auf Burg Leuchtenberg bei diesem rundum gelungenen Saisonauftakt.