Presse - Und immer wieder noch ’n Gedicht

Daniel Grünauer

Datum:

20.06.2012


Medium:

Der Neue Tag


Daniel Grünauer verabschiedet sich mit einer Heinz-Ehrhardt-Szenenrevue vom Landestheater Oberpfalz

Von Tobias Schwarzmeier

Vohenstrauß. Die Proben laufen auf Hochtouren. Bis morgen Abend, wenn das Landestheater Oberpfalz (LTO) in der Friedrichsburg zum Heinz-Erhardt-Abend einlädt, feilen die Darsteller mit Regisseur Daniel Grünauer (29) noch an der Feinabstimmung. Die Redaktion sprach mit dem Jungregisseur, für den die Inszenierung der witzigen Szenenrevue vorerst seine letzte Arbeit für das LTO sein wird.

Ihr Faible für moderne Stoffe ist bekannt. Warum jetzt ein nostalgischer Themenabend mit einem Urgestein des klassischen Humors wie Heinz Erhardt?

Daniel Grünauer: Ich habe ihn bewusst gewählt, weil sein Humor ganze Generationen erreicht und zeitlos ist. Man möchte nicht glauben, wie viele Hardcore-Fans es in Internetforen gibt. Ich lernte ihn durch seine Filme kennen, die trotz der langen Zeit auch heute noch im Fernsehen laufen. Sein Willi Winzig ist bei mir noch wie damals präsent. Außerdem war sein typischer Wortwitz Wegbereiter für viele Comedians wie Willi Astor oder Otto Waalkes, der sogar Sketche direkt übernommen hat.

Ein vollendeter Entertainer.

Grünauer: Stimmt. Im Grunde war Heinz Erhardt durch seine Auftritte in den 30er Jahren in den Kaffeehäusern in Riga der erste Stand-Up-Comedian überhaupt. Zudem war er auch ein exzellenter Pianist mit coolen Songs, die ins Ohr gehen, und dann sind da natürlich seine tollen, tollen Gedichte.

Ist die Vielseitigkeit auch der Grund, warum morgen gleich zwei Heinz Erhardts auf der Kammerbühne stehen werden?

Grünauer: Das hat sich eigentlich ganz natürlich ergeben. Ruppert Grünbauers Ähnlichkeit mit Erhardt ist frappierend und durch seine Rollen in den LTO-Musicals sind auch die Gesangsparts kein Problem. Er spielt den älteren Heinz Erhardt, wie man ihn kennt, mit der charakteristischen Hornbrille. Für das jüngere, Klavier spielende Ich, bot sich Holger Popp als ausgebildeter Kirchenmusiker förmlich an.

Sind beide Heinz-Erhardt-Fans?

Grünauer: Zu Anfangs überhaupt nicht. Holger kannte die teilweise jazzigen Stücke nicht und ist zunächst einfach professionell herangegangen. Auch Ruppert hatte keine Affinität und konnte daher seine Rolle mit großer Distanz angehen, was sehr reizvoll ist. Mittlerweile hat es aber beide auch gepackt (lächelt).

Wie erklärt man einem Nicht-Fan diese Faszination, die der „kleine Schelm“ unvermindert ausübt?

Grünauer: Seine Gedichte und Sketche sind leicht anmutend, aber zutiefst lyrisch. Heinz Erhardt war ein Perfektionist. Er hat alle Gags mit wahnsinniger Akribie bis ins Kleinste ausgearbeitet. Da geschah nichts spontan, jede Geste, jede Reaktion, jede Pause war pure Berechnung und auf Wirkung bedacht. Mit geheuerem Erfolg.

Was erwartet die Zuschauer bei der Premiere am Donnerstag?

Grünauer: Wunderbar witzige Gedichte, ein TV-Potpourri und eine besondere Überraschung für die eingefleischten Erhardt-Fans beim „Theaterstück in G“. Die Rahmenhandlung spielt in der Szenerie eines TV-Studios in den 60ern. Auf der Bühne ist eine echte Theke aufgebaut, die die Zuschauer in der Pause betreten können. Ein Teil von Erhardts Songs sind leider für ein komplettes Filmorchester arrangiert und waren für die Bearbeitung für den Abend nicht geeignet. Hits wie „Mein Mädchen“, „Fräulein Mabel“ oder „Zur Liebe ist es nie zu spät“ sind aber natürlich dabei.

Nach 13 Regiearbeiten für Stadtbühne und Landestheater und speziell mit den diesjährigen Inszenierungen haben Sie nun alle Genres bearbeitet. Die perfekte Abrundung der LTO-Zeit, bevor Sie als Dramaturg nach Ulm wechseln?

Grünauer: Das Volksstück „Der verkaufte Großvater“ und eben der Heinz-Erhardt-Abend waren wirklich spannende Ausflüge in den Boulevard, die einfach Spaß gemacht haben. Überhaupt habe ich die Zeit mit dem LTO total genossen. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass ich als junger Regisseur ohne große Erfahrung hier inszenieren durfte, unter Spitzenbedingungen und immer auf sehr hohem Niveau.

Besteht die Chance, Sie trotz Ihres neuen Engagements in Ulm bei den Burgfestspielen einmal als Gastregisseur wiederzusehen?

Grünauer: In nächster Zeit wohl nicht, denn es warten bereits mehrere Stücke auf mich, darunter „Warten auf Godot“, das auch das Landestheater heuer im Spielplan hat. Auch ist geplant, dass ich später selbst inszeniere. Im kommenden Frühjahr bleibe bin ich aber dem LTO als Autor erhalten. Um nicht zu viel zu verraten: Es ist die Adaption eines Romans eines regionalen Autors für die Bühne.