Presse - Kopfkino auf der Theaterbühne

Daniel Grünauer

Datum:

09.02.2013


Medium:

Der Neue Tag


Uraufführung mit Lokalkolorit: Landestheater zeigt ab Freitag "Paradiso" im Jugendzentrum

Weiden. (fku) Irgendwie musste es ja auf Weiden hinauslaufen. Wenn doch schon in der Vorlage die Reise ungewollt dort hinführt. Wo also sonst? Die Vorlage - das ist Thomas Klupps Roman "Paradiso". Reisender und Protagonist ist der junge Erwachsene Alex Böhm, der sich unversehens auf dem Weg in seine Vergangenheit wiederfindet - und dabei in seiner früheren Heimat Weiden landet.

Klupp selbst landete damit bei den Kritikern - es hagelte Komplimente und Vergleiche mit ganz Großen der Literatur. Und natürlich kamen die Anfragen von verschiedenen Theatern, die den Roman auf die Bühne bringen wollten. Den Zuschlag bekamen letztlich jedoch andere: das Landestheater Oberpfalz (LTO). Am Freitag gibt es die Uraufführung im Jugendzentrum. So wie es auch Klupp wollte, erzählt Daniel Grünauer, der die Bühnenfassung erarbeitet hat: "Er hat gesagt: ,Wenn nicht hier, wo sonst?'"

Gelesen und geliebt

Es passe ja auch so vieles: Das JuZ als Ort, in dem viele der Generation Böhm ihre Jugend verbrachten. Ein Stoff, der nicht an den jungen Menschen vorbeigehe. Und ein Roman, so Günauer, den viele hier gelesen und geliebt hätten. Protagonist Böhm hat seine Heimat verlassen. Autor Klupp, der in Weiden aufwuchs, ebenso – er lebt inzwischen in Berlin. Auch Grünauer – er war bis Herbst am LTO – arbeitet nun als Dramaturg in Ulm. „Paradiso“ ist seine erste Roman-Adaption. Leicht war’s nicht, sagt Grünauer. Vor allem nicht, die unterschiedlichen Ebenen zu erhalten: Böhm tut das eine, denkt aber oft Widersprüchliches.

„Es war wichtig, diese Balance zwischen Kopfkino und Handlung zu finden“ – ohne dass das Stück zu stark monologisierend wirke. Zuviel vom Original wollte er dafür aber nicht wegnehmen. „Ich wollte sehr nah am Text bleiben.“ Das heißt auch, dass er die drastischeren Szenen nicht gestrichen hat. Böhm hat im Roman etwa Sex in einem Wald. Das wird auch in der Theaterfassung bleiben. Musste bleiben. „Das wegzulassen – da würde
man dem Roman nicht gerecht werden.“ Schließlich zeige sich gerade dabei das Wesen Böhms. Ein Wesen, das die vielen Leser freilich schon kennen. Trotzdem lohne sich ein Besuch, sagt Grünauer. Das sei schließlich auch das, was Theater ausmache: Die Figuren, die man beim Lesen vor dem inneren Auge hatte, sie „stehen plötzlich vor einem“.

Sechs Termine

„Paradiso“ in der Regie-Bearbeitung von Marlene Wagner-Müller ist am 15., 16, und 17. sowie am 22., 23. und 24. Februar jeweils ab 20 Uhr im Jugendzentrum zu sehen. Karten ab 7,10 Euro gibt es unter anderem beim NT-Ticketschalter, Telefon 0961/85-550, oder beim Ticketbüro des LTO Leuchtenberg, Telefon 09659/9310-0.