Presse - Theater Ulm spielt "Die Grönholm-Methode" bei den Stadtwerken

Daniel Grünauer

Datum:

23.02.2015


Medium:

Südwest Presse


Ein Schauspiel gewissermaßen am Originalschauplatz: Das Theater Ulm zeigt Jordi Galcerans "Grönholm-Methode" über die Suche nach Führungskräften in einer Firmenzentrale - im Neubau der SWU.

Von Jürgen Kanold

Das SWU-Karriereportal vermeldet im Internet derzeit keine Stellenangebote. Aber wie sucht eigentlich ein Konzern seine Spitzenkräfte? Der Chefposten bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm wurde ja erst kürzlich neu besetzt, Klaus Eder löst zur Mitte des Jahres Matthias Berz ab, der nach erheblichen Bilanzverlusten seinen Hut nehmen muss. Das ist die Realität - und jetzt sitzt Noch-Geschäftsführer Berz in einem großen, hellen Konferenzraum im Erdgeschoss des neuen SWU-Gebäudes (K 3) an der Karlstraße und schaut sich als Premierengast ein Schauspiel an, in dem vier Bewerber auf eine hohe Führungsposition aufeinander losgelassen werden, um in Psychospielen und sehr gruppendynamisch den Sieger im Auswahlverfahren auszufechten. Gute Pointe. Doch, der Spielort ist ein Theatercoup. Und auch die Aufführung ist stark.

Daniel Grünauer hat "Die Grönholm-Methode", das international erfolgreiche Stück des Katalanen Jordi Galceran, für das Theater Ulm dort inszeniert. Ein paar Tische, Stühle, viel mehr braucht's nicht, und dann treten die vier Bewerber an. Ein Gruppengespräch ist in der finalen vierten Runde angesetzt, aber es erscheint kein Vertreter aus der Zentrale des schwedischen Möbelkonzerns: "Dekia" heißt er im Stück. Anonym, per Schubladenbotschaft erhalten die drei Männer und eine Frau immer wieder Briefe mit Anweisungen. Und dann beginnen Konkurrenzkampf und Seelenstriptease. Wer den Raum verlässt, hat verloren. Zehn Minuten etwa haben sie zunächst mal Zeit, um herauszufinden, wer unter ihnen "nicht echt" ist, also kein Bewerber, sondern ein Mitarbeiter aus der Personalabteilung. Oder ist alles nur ein Fake?

Die Zuschauer sitzen in zwei Reihen dicht dran am Bühnengeschehen, ja fast distanzlos. Man hat, gerade an diesem realen Ort, das beklemmende Gefühl, tatsächlich Beobachter, Zeuge zu sein des dramatisch sich entwickelnden Psycho-Tests. Und den hervorragenden Akteuren gelingt eine sehr realistische Präsenz, auch wenn sie vielleicht nicht die konventionell gewünschte Statur für eine Führungskraft im Großkonzern verkörpern. Jörg-Heinrich Benthien spielt den fiesen, knüppelharten, rücksichtslos ehrgeizigen Fernando Porta - und könnte jederzeit für die Mafia einen Autohandel organisieren. Gunther Nickles als Enrique Font - eher der Verlierertyp, ideal besetzt auch als Willy Loman in "Tod eines Handlungsreisenden". Wilhelm Schlotterer ist der kantige wie gefühlige Carlos Bueno, den die Big-Brother-Zentrale als Transsexuellen vor der Geschlechtsumwandlung outet und über dessen Rauswurf die Konkurrenten nun befinden müssen. Und Tini Prüfert übernimmt die Rolle der toughen, pragmatisch direkten Managerin Mercedes Degás, die von den Männern zum Weinen gebracht werden muss . . .

Kurzum, die Stellenbeschreibung heißt: "Wir suchen nicht einen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist." So ist das Business. Okay, und wer wird nun gefunden mit der "Grönholm-Methode?" Das darf allerdings nicht verraten werden, denn Jordi Galcerans Stück ist auch ein Krimi aus der Wirtschaftswelt mit einigen Überraschungen. Großer Applaus.