Presse - „Tatort“ im Taschenformat

Daniel Grünauer

Datum:

29.01.2016


Medium:

Neu-Ulmer Zeitung


Ulm. In der Podium-Bar hat am Sonntag der erste Fall von „Kripo Ulm“ Premiere. Wie das Krimi-Projekt des Theaters Ulm entstand.

Von Marcus Golling

„Kripo Ulm“ ist so etwas wie die Ulmer Antwort auf den Sonntagabend-Krimi im Ersten. „Der ‚Tatort‘ ist ein urdeutsches Phänomen“, findet Regisseur Daniel Grünauer. Er verarbeite aktuelle Themen, zeige gute und bekannte Schauspieler und enthalte immer auch ein wenig Lokalkolorit. Er leiste also genau das, was ein Stadttheater erreichen will, sagt Schauspieldramaturg Grünauer, der die Idee zu „Kripo Ulm“ mit seinem früheren Kollegen Michael Sommer entwickelte. Der schrieb nun auch das Buch für den ersten Fall „Ausbruch“.

Die Figuren in „Kripo Ulm“ könnten so auch aus einem „Tatort“ stammen. Allen voran Kommissar Schäufele, laut Grünauer ein schwäbisch-bodenständiger, knorriger Typ. Ihn spielt Gunther Nickles. Der ist zwar gebürtiger Pfälzer, aber nach gut zwölf Jahren in Ulm des Schwäbischen absolut mächtig. Ihm zur Seite stehen der Halbösterreicher Ferdl Waliczek (Dan Glazer) und Pressesprecherin Kerstin Fuchsberger (Julia Baukus). Dazu kommen mehrere aktuelle Theaterkollegen – etwa Intendant Andreas von Studnitz als Gerichtsmediziner und Opern-Dramaturg Benjamin Künzel als Kriminaltechniker – und einige ehemalige. Unter anderem Volkram Zschiesche, bis 2013 Teil des Schauspielensembles und 2015 selbst zu „Tatort“-Ehren gekommen: als Banker-Schnösel in dem Kölner Fall „Freddy tanzt“.

„Kripo Ulm“ ist eine Mischung aus Kinoabend und Theater: Ein Drittel de Szenen wird auf der Bühne in der Podium-Bar gespielt, zwei Drittel werden als Film gezeigt. Gedreht wurde dafür an zehn Tagen im Juni und Juli 2015 unter anderem auch am Neu-Ulmer Donaucenter, im Einsteinhaus und in der Gerichtsmedizin der Uni Ulm. Mit minimalem Budget und kleinstem Team. „Wir konnten natürlich nicht alles so machen, wie wir es gerne hätten“, sagt Grünauer. Er gibt zu, den Aufwand zunächst unterschätzt zu haben. Zunächst war nämlich die Produktion von zwei Episoden geplant – was sich als unmöglich herausgestellt habe. Entsprechend hat „Kripo Ulm“ eine gewisse Do-It-Yourself-Ästhetik. Was durchaus zum Vergnügen beitragen dürfte.

Über mangelndes Interesse können sich die Macher nicht beklagen: „Kripo Ulm“ steht wegen der großen Nachfrage elfmal auf dem Spielplan, die meisten Vorstellungen sind ausverkauft. Besonders junge Leute, so Grünauer, interessierten sich für das Format. Das macht natürlich Lust auf mehr: Der Regisseur will in jeder Spielzeit einen Fall realisieren, der nächste ist schon in Vorbereitung. Die Münsterstadt hat vielleicht keinen „Tatort“ – aber die „Kripo Ulm“ sorgt jetzt für Recht und Ordnung.

Vorverkauf: Karten für die Vorstellungen am 14. Mai sowie am 11. und 12. Juni gibt es unter theater.ulm.de/karten.