Presse - Tatort auf der Theaterbühne: „Kripo Ulm“ feiert Premiere

Daniel Grünauer

Datum:

01.02.2016


Medium:

dpa / swp-online


Eine Abiturientin stürzt am Donauufer zu Tode. Der schwäbische Kommissar Schäufele nimmt die Ermittlungen auf. Ulm hat jetzt endlich auch einen eigenen Krimi - aber nicht im Fernsehen.

Von Nico Pointen

Die Einser-Abiturientin Marie Eisele liegt tot in der Nähe des Ulmer Donauufers. Eine Joggerin stolpert über die Leiche. Über die hat jemand mit gelber Farbe „Christensau = Opfer“ an die Wand geschmiert. Selbstmord? Oder Mord? War's die streng christliche Mutter? Oder Maries muslimischer Freund? Der schwäbische Kommissar Manfred Schäufele ermittelt in der Donaustadt - am Münsterplatz, im Fischerviertel, an der Uni. Und Ulm hat endlich seinen Tatort.

Mehrere Städte im Südwesten hatten sich nach dem Aus des Bodensee-„Tatorts“ in Konstanz um den Zuschlag beworben. Künftig ermittelt der einstige Moderator Harald Schmidt im Schwarzwald. Bei der Standortsuche der ARD-Krimireihe hatte Ulm das Nachsehen - nun bringt die Donaustadt den Krimi auf die Bühne: Die filmische Theater-Reihe „Kripo Ulm“ feierte am Sonntag vor rund 70 Zuschauern im Theater Ulm Premiere. „Wir wollten einen Krimi machen für Ulm“, sagt Regisseur Daniel Grünauer.

Ende gut, Krimi gut? Bei dem Stück handelt es sich um einen Mix aus Filmszenen und gespielten Teilen auf der - in eine Polizeiwache verwandelten - Bühne. Der Zuschauer hat dadurch das Gefühl, er holt sich die Leinwand-Ermittler direkt in sein Wohnzimmer. Die Charaktere der Beamten sind so gegensätzlich wie im TV-Tatort: Schäufele ist ein altgedienter Griesgram. „Er ist der personifizierte Ulmer Nebel, ein schwäbischer Schwabenhasser“, erklärt Grünauer. Der neue Kollege Ferdl Waliczek ist jung und voller Tatendrang, in Baden aufgewachsen - und er verzweifelt nicht nur an der Mundart der Schwaben.

Zehn Drehtage haben die Theatermacher auf die Pilotfolge „Ausbruch“ verwendet: Es geht um den Konflikt der Religionen, um Konvertierung zum Islam, auch der IS und Fremdenfeindlichkeit (Gibt es eine Ugida-Bewegung?) werden thematisiert. Dabei stand das Drehbuch bereits im Frühjahr 2015. „Die Tatsache, dass es jetzt so brisant ist, ist erschreckend“, sagt Drehbuchautor Michael Sommer.

„50 Theatermacher haben versucht, Film zu machen“, fasst Grünauer das Projekt zusammen. Da sieht man auch darüber hinweg, dass die Qualität der Leinwandschnipsel lange nicht mit dem ARD-Original mithalten kann. „Wir sind kein Fernsehsender, hatten keine 200.000 Euro für eine Folge“, sagt Grünauer. Idee und Drehbuch für den Ulmer Bühnen-Krimi seien bereits lange vor dem Umzug des ARD-Fernsehklassikers entstanden. „Der Trostpreis für Ulm ist es nicht“, sagt Grünauer. „Timingmäßig muss ich mich beim SWR sehr bedanken, das hätten wir marketingmäßig nicht besser machen können.“

Bis Mai sind erstmal alle Vorstellungen ausverkauft. Im Juni soll die zweite Folge gedreht werden.